Jagdverhalten verstehen und kontrollieren

Seminarbeschreibung:

Orientieren, Fixieren, Beschleichen, Hetzen, Packen, Töten, Zerlegen, Fressen - die Elemente des Jagdverhaltens unserer Hunde sind facettenreich, und ebenso facettenreich sind die Ausprägungen der verschiedenen Jagdhundetypen.

 
Die Selektion bestimmter Verhaltensreaktionen hat Spezialisten hervorgebracht, die das Wild körpersprachlich anzeigen, es aufstöbern, hetzen oder geschossenes Wild finden und dem Menschen zutragen. Das Jagdverhalten unserer Vierläufer zu verstehen ist die Basis effektiven Trainings und Entwickelns typgerechter, individueller Beschäftigungs- und Belohnungsmöglichkeiten.

Über die Referentin:

Anja Fiedler leitet die Hundeschule dogable in Meerbusch und bildet ihre beiden Hündinnen für den jagdlichen Einsatz aus. Ihr Spezialgebiet sind die Ausbildung von Jagdhunden und jagenden Hunden, sowie deren sinnvolle Beschäftigung. Sie arbeitet mit positiver Bestärkung.

Unsere Eindrücke:

Ein interessantes und überraschendes Seminarwochenende mit Anja Fiedler liegt wieder hinter uns. Wir waren eine kleine Gruppe mit netten Teilnehmern und sehr unterschiedlichen „Problemen“.

 

Die meisten Übungen waren dieses mal nicht ganz neu für mich und Neele, da wir im November 2011 schon an dem 1. Teil des Seminars mit viel Spaß teilgenommen haben.

Ich war total erstaunt wie viel aus unserem Training hängen geblieben ist. Da ich ja leider nur an den Wochenenden mit Neele üben kann, haben wir in dieser „kurzen“ Zeit enorme Fortschritte gemacht. Im November waren noch fast alle Übungen komplettes Neuland für mich und soviel Input an 2 Tagen musste erst mal verdaut werden. Zu diesem Zeitpunkt konnte ich mir auch noch nicht vorstellen, dass einige, zum Teil sehr simple, Übungen bei uns zum Erfolg führen könnten.

 

Da Neele, neben ihren jagdlichen Interessen, auch noch Probleme mit Hundebegegnungen hat, konnten wir einige Übungen für beide Trainingssituationen nutzen.

 

Dies ist nur ein kleiner Einblick in unser Seminarwochenende. Wir haben noch weitere unterschiedliche Übungen zum Thema „Umorientierung“ und auch unterschiedliche Belohnungsmöglichkeiten je nach Situation kennen gelernt.

Übungen aus dem Seminar

"Zeigen und Benennen" von Auslösern aller Art

Das Ziel des Zeigen & Benennens:

Impulskontrolle -> Hund sieht den Auslöser, bleibt stehen & orientiert sich vielleicht sogar um bzw. praktiziert das Alternativverhalten.

 

Unser Aufbau:

Neele guckt den Auslöser (anderer Hund oder Wild) an, ich benenne „es“ und im laufe des Trainings soll sie diese Begegnung durch ein Markersignal (Clicker) positiv verknüpfen. Dadurch wird die Ansprechbarkeit und Aufmerksamkeit deutlich verbessert. Ein Alternativverhalten (z.B. Schnüffeln) kann angeboten werden oder auch viele unterschiedliche Belohnungsmöglichkeiten je nach Situation können dann eingesetzt werden.

 

Da Neele gerne nach Mäusen buddelt oder auch schnüffelt, haben wir dieses unter Kommando gestellt. Je nach Situation darf sie zur Belohnung „Mäuschen buddeln“ oder bei Hundebegegnungen als Alternativverhalten nach Leckerchen „schnüffeln“. Nach einigen Wiederholungen hat sie diese Kommandos sehr schnell umgesetzt und lässt sich mittlerweile erwartungsvoll umlenken.

"Doppelter" Rückruf

Diesen Rückruf üben wir seit November mit Vanessa. Zu Hause auf unseren Spaziergängen klappt dieser Abruf sehr gut. Aber in der Seminarsituation war ich mir ziemlich unsicher, ob Neele sich wirklich abrufen lässt. Anja hat es diesmal auch besonders schwer gemacht. Neele hat sich schon seit mindestens 10 Minuten in einem interessanten Loch festgebuddelt und wir haben uns nur an einer Stelle aufgehalten. Meine Aufgabe war mit dem doppelten Rückruf Neele aus ihrem Loch zu mir zu rufen. Mein Trillerpfiff als Umorientierungssignal und dann der Ankerpfiff mit der Pfeife um sie zu mir zu holen. Meine kleine Hexe hat mich mal wieder total positiv überrascht und den Abruf perfekt gezeigt. Ich war selber ganz beeindruckt.

 

Hier Malenko (Herdenschutzhund), Reika (Golden Retriever) und Damon (Husky-Aussie-Mix) bei der Arbeit.

"Verlorenen Suche" auf der Rückspur

Auch diese Übung mache ich gerne auf unseren Spaziergängen, um Neele auf den Wegen zu halten. Bisher machen wir das aber noch auf kurzen Strecken und als Belohnung habe ich es auch noch nicht eingesetzt. Anja hatte wieder eine „super“ Idee! Kurz bevor wir an der Reihe waren, sauste ein Hase vorbei. Meine Aufgabe war, Neele von der Hasenspur umzulenken (Umorientierungssignal „Triller“) und als Belohnung die „Verlorenen Suche“ einzusetzen. Puh, das war schwierig. Anja sicherte Neele mit der Schleppleine und wir gingen Richtung Hasenspur. Neele hatte die Spur natürlich sofort in der Nase, ich versuchte mein Glück und „trillerte“, tatsächlich drehte Neele um in unsere Richtung, aber an mir vorbei und verfolgte die Rückspur des Hasen. In ein paar Metern Entfernung von mir stoppte sie plötzlich ab und fing an ein Mauseloch zu buddeln. Unsere Belohnung stellten wir schnell auf „Mäuschen“ um und sie durfte sich selbst belohnen. Dann rief ich sie vom Loch ab und zur Belohnung durfte Neele dann den verlorenen Futterbeutel suchen und bringen. Puuh das war wirklich richtig schwer.

Das Warmsignal (oder die intermediäre Brücke)

Die intermediäre Brücke ist eine Hilfe um erwünschtes Verhalten zu formen. Wie z.B. beim Topfschlagen warm, warm, warm ... es sagt dem Hund „Du bist auf dem richtigen Weg“! Das Warmsignal bei uns „la la la lalalala“ beginnt langsam wenn gewünschtes Verhalten im Ansatz zu sehen ist und wird dann schneller je näher der Hund das gewünschte Verhalten zeigt. Neele und ich üben zur Zeit den „Geschirrgriff“, d.h. ich stelle mich hin, sage „Halt“ (kündige hiermit den Griff ins Geschirr an), greife dann ins Geschirr mit leichtem Druck nach hinten, während ich halte, Click und Belohnung. Ich füttere sie mit der Belohnung ins „Sitz“. Nach mehren Wiederholungen in reizarmer Umgebung kommt dann die nächste Stufe. Ich kündige mit „Halt“ wieder den Geschirrgriff an, greife dann ins Geschirr und beginne mit dem Warmsignal „la la la“ sobald sich ihr Po Richtung Boden bewegt, wird das Warmsignal schneller „lalala“, ich sage ihr damit: „Richtig, weiter so!“ wenn sie im Sitz ist sofort Click und Belohnung. Zur Zeit sind wir an dem Punkt angekommen, dass ich nur noch „Halt“ sage und sie sich sofort setzt, ohne das ich ins Geschirr greife oder das Warmsignal nenne. Die nächste Stufe folgt noch.

 

Hier werden Neele und ich, Malenko und Vanessa, Reika und Anita und Nelly und Jenny von Anja bei der Übung der intermediären Brücke unterstützt.

Nach dem Seminar haben Neele und ich den Geschirrgriff dann ausgebaut und sind jetzt eine Stufe weiter.

Entspannung

Wir haben verschiedene Entspannungsmöglichkeiten kennen gelernt. Zum Einen die direkte Entspannung, d.h. der Hund wird massiert, gestreichelt oder gebürstet, so wie er es am liebsten mag, bis er sich entspannt. Wenn er in eine erregte Situation kommt, ist es sinnvoll vor Ort erst zu entspannen und den Hund wieder auf „Normallevel“ zu bringen, bevor man den Spaziergang fortsetzt. Zum Anderen die konditionierte Entspannung, d.h. es wird ein Signal aufgebaut und entsprechend verknüpft, das den Hund in erregten Situationen kurzzeitig ansprechbar macht, um ihm dann eine Alternative zu geben und das Erregungsniveau zu senken. Neben diesen beiden Entspannungsmöglichkeiten gibt es noch die aktive Entspannung. Viele Hunde zeigen „schütteln“, „wälzen“ oder sich „strecken“ von sich aus. Diese Verhaltensweisen werden mit dem Clicker eingefangen, belohnt und unter Signal gestellt. Wenn das Signal richtig verknüpft ist, kann dieses später in angespannten Situationen eingesetzt werden und die Situation auflockern.

Neele ist in unserem Garten sonst nicht entspannt, da sie enorm aufpasst und alles und jeden mit lautem Gebell in die Flucht jagen möchte. Wir haben ein Entspannungssignal "Eeeeaasssyyy" aufgebaut. Man sieht deutlich, dass Neele´s Erregungsniveau bei dem Hundegebell deutlich ansteigt, aber mit dem Entspannungssignal und der Massage entspannt sie sich wieder einigermaßen.

Ein kleiner Videoeinblick!

Je nach Situation und Vorliebe des Hundes sind unterschiedliche Belohnungsmöglichkeiten von sehr großem Vorteil. Jedes Mensch-Hund-Team zeigt eine Variante der Belohnung. Gina (Staff), Reika (Golden Retriever), Neele (Golden Retriever) und Malenko (Herdenschutzhund)

Auf der Jagd nach gutem Verhalten, alles was erwünscht ist, wird markiert und belohnt. Anouk (Schäferhund), Malenko (Herdenschutzhund), Damon (Husky-Aussie-Mix), Gina (Staff) und Neele werden für alles belohnt was ihren 2-Beinern gut gefällt.

Der Name wird wie ein "Akku" aufgeladen und als Umorientierungssignal eingesetzt.

Training zu Hause nach dem Seminar