Mantrailing - 2-Tages Workshop

Seminarbeschreibung:

Was ist Mantrailing?
Jeder Mensch verliert ständig Hautschuppen an denen sein individueller Geruch haftet. Daraus bildet sich eine Geruchsspur, die jeder Mensch immer hinterlässt. Der ausgebildete Hund ist in der Lage, diesen Geruch aus einer Vielzahl von Gerüchen herauszufiltern und der Person zuverlässig und untergrund- und witterungsunabhängig zu folgen. Dafür wird ihm am Start eine Geruchsprobe der Person vorgelegt, deren Spur er folgen soll. Mantrailing ist Teamarbeit zwischen Mensch und Hund. Der Hund hat hierbei die Führungsposition, denn nur seine Nase ist in der Lage, der Geruchsspur eines Menschen zu folgen. Der Mensch lernt, den Hund zu lesen, ihm zu vertrauen und in gewissen Situationen Hilfestellung zu bieten.

Wer kann mitmachen?
Diese Form der Suche ist für alle Hunde geeignet, egal ob jung oder alt, Jagdhund, Hütehund oder Mischling. Gerade für unsichere und ängstliche Hunde eignet sich diese Form der Sucharbeit, da sie lernen ihre Ängste zu überwinden und mit der Zeit an Selbstbewusstsein gewinnen. Das Training wird individuell an das jeweilige Hund-Mensch-Team angepasst.

Über die Referentin:

Tanja Fittkau ist Trainerin der Hundeschule SniffDog in Düsseldorf. Seit vielen Jahren trainiert sie mit ihren beiden Hunden Gypsy und Duncan im Bereich Mantrailing und bietet regelmäßig Workshops an.

Einblick in den Workshop:

Am Samstagmorgen bei Eiseskälte machten wir uns mit Sack und Pack auf den Weg nach Essen. Unsere Trainingsausstattung sah wie folgt aus: Geschirr und Schleppleine, unser Halstuch als Markierungszeichen, Wasser für Neele und mich und natürlich ganz besonders gute Leckerchen zur Belohnung. Der Verkehr meinte es diesmal gut mit uns und wir kamen pünktlich an unserem Treffpunkt an. Wir waren 7 Mensch-Hund-Teams und nach einer herzlichen Begrüßung und Vorstellung der Gruppe starteten wir auch schon.

Der erste Trail!

Als erstes brachte Tanja unseren „Runner“ (Opfer) in die Versteckposition und kehrte dann zu uns zurück. Bilbo durfte als erstes starten. Da wir schon seit ca. 3 Monaten nicht mehr trainiert haben, war der 1. Trail etwas kürzer. Kurz aber nicht einfach! Bilbo wurde umgezogen und auf ging´s. Die drei zogen von dannen und nach einer Weile kamen sie dann erfolgreich wieder zurück – Opfer sicher gefunden!

 

Jetzt waren Neele und ich an der Reihe wir hatten dieselbe Strecke wie Bilbo. Neu für uns war, dass Neele ihr „Opfer“ diesmal nicht gesehen hat, als es weg ging. Halstuch um, Geruchsprobe einatmen und Kommando „Go Trail“. Neele zog los, nach einem kurzen Ausflug in einen Hinterhof kamen wir wieder auf die richtige Spur. An der nächsten Kreuzung bog Neele sofort rechts ab und setzte ihren Weg sicher fort, nach einigen Metern wurde sie langsamer, wir waren falsch, aber vermutlich sind die Geruchspartikel durch den Wind in diese Richtung geweht worden. Also wieder zur Kreuzung zurück, diesmal in die andere Richtung und wir waren wieder auf dem richtigen Weg. Zwischendurch hat sie sich noch von ein paar anderen interessanten Gerüchen und einem plätschernden Wasserschlauch ablenken lassen, aber als wir dann die Straßenseite wechselten, wurde sie wieder sicherer und fand unser „Opfer“ hinter einem Baum. An unserer Anzeige müssen wir noch kräftig arbeiten, aber die Belohnung hat Neele sich natürlich verdient.

 

Jetzt waren unsere „Anfänger“ an der Reihe. Als erstes Keaton, ein 11 Monate alter Labrador-Junge, er wurde vom „Runner“ noch richtig angeheizt und dann startete er mit Galopp und Frauchen Nora flog hinterher. Keaton entdeckte den „Runner“ hinter einem Baum und setzte sich wie ein Profi vor ihm hin und bekam natürlich seine Belohnung. Direkt noch ein Trail hinterher und auch diesmal fand er den „Runner“ sofort, setzte sich wieder vorbildlich hin und wartete auf seine Kekse. Echt klasse!

 

Auch die anderen Teams fanden erfolgreich den „Runner“ und wir konnten zufrieden unseren ersten Vormittag beenden.

Leckere Mittagspause und ein bißchen Theorie

Bei unserem gemütlichen und sehr leckeren Mittagessen in der Pizzeria Bolognese konnte Tanja uns noch sehr viele wertvolle Tipps geben. Es war faszinierend wie unterschiedlich jeder Hund sucht und vor allem was man am anderen Ende der Leine alles übersieht oder nicht erkennt.

 

Nach der Mittagspause gab Tanja uns noch einen kleinen Einblick in die Theorie. Die Nase eines großen Hundes hat ca. 200 Millionen Riechzellen, die des Menschen im Vergleich gerade mal 10 Millionen. Die Nase eines Hundes ist schon bei der Geburt vollständig entwickelt und erst nach einigen Tagen werden dann die Augen und erst als letztes die Ohren geöffnet. Auch die geringsten Geruchsspuren können somit vom Hund aufgenommen werden. Ist schon enorm! Beim Mantrailing soll der Hund eine ganz bestimmte Person finden. Aus den Hautschuppen des Menschen bildet sich eine individuelle Geruchsspur, die der Mensch immer hinterlässt. Der Hund bekommt vor dem Start eine bestimmte Geruchsprobe vorgelegt, die er aus einer Vielzahl von anderen Gerüchen herausfiltern muss. Diese Spur soll er dann bis zu dieser Person verfolgen.

Der zweite Trail!

Da wir den ersten Treffpunkt schon komplett in alle Richtungen mit unseren Spuren „verseucht“ hatten, fuhren wir mit dem Auto ein Stück weiter. Jetzt ging es richtig zur Sache. Tanja machte sich mit dem „Runner“ auf den Weg und es dauerte schon eine ganze Weile bis sie wieder zurückkam.

 

Neele und ich waren als erstes dran, damit ich auch aus einer anderen Perspektive beobachten kann, was Neele während des Trails macht, übernahm Tanja die Leine. Zu Beginn kreisten wir erst mal die Gegend ab in der der „Runner“ gestartet ist. So konnte Neele den ganzen Bereich abschnuppern. Dann bekam sie wieder ihr Halstuch um und die Geruchsprobe des „Runners“ vorgelegt. Mit dem Kommando „Go Trail“ ging es los. Da ich vorher immer den Fehler gemacht habe, ihr beim Start die Richtung vorzugeben, stand sie erst mal verdutzt da und wartete auf mein Zeichen. Dann entschied sie sich aber doch von alleine für die richtige Richtung. Es war schon ziemlich schwer, als erstes begegnete uns ein Hund der schon sehr steif und fixierend auf uns zu kam, wir gingen kurz zur Seite und machten eine „Pause“ als der Hund vorbei war ging es weiter. Wir kamen an eine kniffelige Ecke, eine Treppe ging nach oben, eine Treppe ging nach unten und nach links gab es auch noch einen Weg. Neele ging ein Stück die Treppe nach oben drehte dann aber wieder um und entschied sich doch nach links zu laufen, Tanja ließ sie gehen, nach einigen Metern wurde sie langsamer und drehte ihren Kopf um mit einem ruhigen „Gut gemacht“ lobte Tanja sie und Neele drehte sich selbstständig zu uns um. Scheinbar war dort keine Spur mehr. Wir gingen den Weg wieder zurück, jetzt ging Neele ganz zielsicher die Treppe nach unten dort kam uns schon ein beißender Geruch in die Nase, einige Graffiti-Sprayer verschönerten die Unterführung und es stank ziemlich extrem nach Farbe. Neele ließ sich nicht beirren und ging ihren Weg, links eine Treppe hoch und wieder links. Oben angekommen kam ein kleiner bellender Hund auf uns zu gestürmt und sprang Neele giftig an. Wir warteten kurz bis das Herrchen ihn wieder eingesammelt hatte und gingen weiter. Ich sah schon unseren „Runner“ auf der Brücke stehen, Neele hat sich durch die Situation etwas ablenken lassen und lief erst mal am „Opfer“ vorbei zu Andrea, die nur als Begleitung mitgegangen war. Sie zeigte Andrea an, vermutlich weil wir sonst auch zusammen trailen und sich bei uns schon etwas falsch verknüpft hat. Wir warteten etwas ab und nach einiger Zeit würdigte Neele dann dem „Runner“ doch einen kleinen Blick und bekam ihre Belohnung. Das war wirklich ganz schön schwer!

 

Ich hätte mit Sicherheit ziemlich viele Fehler gemacht, die mir vorher gar nicht bewusst waren. Tanja hat uns erklärt, dass es sehr wichtig ist „den Hund lesen zu lernen“. Viele Kleinigkeiten der Körpersprache zu erkennen, um auch eventuell Hilfestellung geben zu können.

 

VERTRAUE DEINEM HUND!

 

Neele durfte sich jetzt erst mal im Auto erholen und die anderen Teams verfolgten die Spuren der „Runner“. Zum Schluss gab es noch einen besonders schweren Trail für Duncan. Nora war der „Runner“ und ich begleitete sie. Wir gingen eine ganz schöne Strecke und dann auf die Autobahnbrücke der A40 – Essen Zentrum – mit sehr viel Verkehr unter uns. Ich hab mal wieder geschlafen und nicht daran gedacht die Strecke wieder zurück zu gehen um das Suchteam zu begleiten. (Sorry!!!) Jetzt musste das Handy helfen und ich gab Andrea unsere Position durch. Duncan und Tanja konnten jetzt endlich starten. Nach einiger Zeit sahen wir Duncan mit riesigen Schritten die Treppe der Autobahnbrücke hochsprinten, die ihm doch sehr unheimlich war. Ganz sicher stupste er Nora an und setzte sich vor ihr hin. Wow, echt Spitze! Die Belohnung hat er sich wirklich verdient! Der erste anstrengende, schöne und lehrreiche Trainingstag ging zu Ende.

Verfolgung eines "alten" Trails!

Am Sonntagmorgen trafen wir uns wieder um 10 Uhr am Treffpunkt. Tanja hatte sich schon wieder was besonders schweres für uns ausgedacht. Verfolgen eines „alten Trails“, das heißt der „Runner“ vom Vortag wird mit dem Auto genau an die Stelle gebracht, an der er am Vortag gestanden hat ohne noch mal die Spur neu zu gehen. Echt schwierig und ich hätte nicht gedacht, dass das wirklich funktioniert, aber ich wurde eines besseren belehrt. Nora wurde als „Runner“ wieder an die Position gebracht, wo Duncan sie am Vortag gefunden hat.

Neele war als erstes an der Reihe, jetzt versuchte ich das Gelernte vom 1. Trainingstag umzusetzen und genau auf ihre Körpersprache zu achten. Als erstes kreisten wir an der Stelle wo der „Runner“ einen Tag vorher gestartet war. Dann bekam Neele ihr Halstuch, den Geruch vorgegeben und das Kommando „Go Trail“ ohne Angabe der Richtung lief sie zügig los. Sie ging einen Weg nach unten, ich wusste wir waren falsch, aber ich ließ sie laufen, wir haben ja gestern gelernt, dass die Geruchspartikel sich ziemlich weit verteilen können und über Nacht hat der Wind bestimmt noch was dazu getan. Nach einigen Minuten wurde sie langsam und drehte um, ich freute mich leider zu doll :0( und quietschte ein „gut gemacht“ wurde aber zum Glück direkt von Tanja gebremst, um Neele nicht aus dem Trail zu holen. Also wieder zurück, Neele ging ziemlich am Rand entlang aber recht sicher Richtung Kreuzung, dort drehten wir einmal im Kreis, um wieder auf die richtige Spur zu kommen. Neele wollte schon in die richtige Richtung, leider bremste ich sie mit der Leine. Sie entschied sich aber trotzdem für diese Richtung und es ging weiter. Jetzt ging sie wieder zügig los. Als wir an die Autobahnbrücke kamen und ich davon überzeugt war, dass der „Runner“ auf der Brücke steht, zog Neele an der Treppe vorbei, ich dachte jetzt sind wir wieder falsch, aber Neele´s Nase hat sie nicht getäuscht, unser „Runner“ stand diesmal tatsächlich unter der Brücke. Unsere Anzeige war wieder nicht gut, aber dafür war die Strecke echt super! Bin stolz auf die kleine Hexe. Neele durfte sich jetzt erst mal im Auto erholen.

 

An diesem Tag begleitete uns die Videokamera und somit konnten wir auch die Trails der anderen Teams begleiten. Feline, Bilbo und Gypsy verfolgten ebenfalls erfolgreich einen „alten Trail“ und die „Anfänger“ bekamen mehrere kurze aber auch schon etwas anspruchsvollere Trails als am Vortag.

Das Splitting

Mittags saßen wir wieder gemütlich in der Pizzeria Bolognese und ließen uns lecker beköstigen. Tanja und Mandy suchten schon eine neue Umgebung für die folgenden Trails raus. Diesmal ging es in einen Park in Essen, der aufgrund des schönen Wetters total voll war. Spielende Kinder, ein großer See mit Enten, Cafés und viele Spaziergänger. Nach einer kurzen Pipi-Pause ging es wieder weiter. Diesmal fingen die „Anfänger“ an. Laika und Nelly bekamen schon eine schwere Strecke. Andrea und ich gingen als „Runner“ los und unsere Wege trennten (Splitting) sich an einer Gabelung. Andrea ging nach links und setzte sich auf eine Bank, ich ging nach rechts und sollte ein bewegtes „Opfer“ sein. Das Suchteam startete und Laika verfolgte zuerst Andreas Spur, zeigte sie auch super auf der Bank an, aber leider falsch! Jetzt steuerte Laika in meine Richtung, aber die Situation, dass ich wie ein Spaziergänger über den Weg lief, irritierte sie und sie brauchte etwas länger, aber zeigte mich dann doch richtig an. Ein deutliches „Wuff“ und Laika bekam ihre Belohnung.

Jetzt gingen Nelly und Jenny auf die Suche nach Andrea, die immer noch gemütlich auf ihrer Bank wartete. Nach einem kleinen Umweg fand Nelly ihr Opfer sicher und zeigte mit einem schönen Vorsitz Andrea an. Auch Keaton bekam noch einen Trail, der ihn schon ganz schön forderte. Zum Abschluss waren Neele und Bilbo noch mal ebenfalls mit einem „Splitting“ dran. Jenny und Mandy gingen als „Runner“ los und teilten ihre Wege an einem Punkt in 2 unterschiedliche Richtungen. Neele startete und verfolgte eine Spur in den Park zielsicher zog sie weiter, sogar als ein anderer Hund entgegen kam, ließ sie sich nicht ablenken. Ruck Zuck sah ich schon einen „Runner“ aber ob es der Richtige ist? Ja, Jenny war unser „Runner“ und Neele umkreiste sie einige Male bis sie ihr dann doch einen kurzen Blick schenkte und dann gab es natürlich die Belohnung. Jetzt war Bilbo dran, auch er fand prompt seinen „Runner“ und ließ sich unterwegs auch nicht durch einen anderen Hund ablenken. Und die Anzeige war auch schon sehr gut. Ein wirklich toller Abschluss für den 2. Trainingstag.