Pfotenverband

Ich habe zwar gehofft, dass wir von Verletzungen und Krankheiten verschont bleiben, aber das kann man sich ja leider nicht aussuchen. Ich hätte mir aber gewünscht, mehr und vor allem einfacher Informationen im Internet zu finden. Deshalb schreibe ich hier unsere eigenen Erfahrungen und persönlichen Tipps!

Pfotenverletzung

Wir waren nur kurz auf unserer üblichen Morgens-Pipi-Runde, als Neele aus ihrem Lieblingsgebüsch kam und ihre Vorderpfote sehr stark blutete. Wie sollte es auch anders sein, natürlich hatten wir nichts dabei um Erste Hilfe zu leisten. Nur eine kleine Packung Tempotaschentücher, die bei der großen Blutmenge nicht wirklich weiter geholfen haben. Zum Glück hatte ich mein Handy dabei, um nach Hilfe zu schreien. Meine Freundin kam auch gleich zur Hilfe und wir konnten Neele erst mal notdürftig versorgen. Sie brachte auch gleich die Visitenkarte der nächsten Tierklinik mit, damit wir uns telefonisch anmelden konnten. Wie sollte es auch anders sein, es war natürlich Sonntag!

Mein persönlicher Tipp! Man sollte IMMER dabei haben:

  • Handy mit geladenem Akku (und natürlich auch Guthaben)
  • Visitenkarte der nächsten Tierklinik
  • Desinfektionsspray (z.B. Octenisept)
  • Baumwollkompresse
  • Elastische Mullbinde
  • PH-Haft oder Petflex
  • Pinzette und Schere

Wir fuhren direkt zur Tierklinik, wo man uns schon erwartete. Leider war die Schnittverletzung so tief, dass Neele direkt in Narkose gelegt wurde, um die Wunde zu nähen. Sie bekam noch eine Antibiotika-Spritze und zum Glück durften wir unser noch ziemlich verduseltes Mäuschen wieder mit nach Hause nehmen. Glücklicherweise hatten wir eine Decke im Auto um sie etwas zu schützen, da ihre Beweglichkeit und Koordination doch noch sehr eingeschränkt war. Die nächsten Stunden durfte sie weder Essen noch Trinken, ihre Zunge hing auch noch aus dem Maul. Sie hätte sich sonst verschluckt oder selber auf die Zunge gebissen.

Kurz nach der Narkose, Neele wird langsam wieder wach.

Folgende Utensilien waren bei uns sehr hilfreich:

  • Flexibler Kragen (z.B. Comfy Cone)
  • Traumeel für die Wundheilung (sobald sie wieder Essen konnte)
  • Pfotenschuh um den Verband vor Nässe & Dreck zu schützen (nur für Draußen)

Nach 2 Tagen mussten wir wieder zur Klinik um die Wunde zu kontrollieren und den Verband zu wechseln. Eine weitere Spritze musste Neele auch noch über sich ergehen lassen. Die Tierärztin erklärte uns genau wie der Verband gewechselt wird und was wir beachten sollten. Ganz unpassend war natürlich auch noch, dass unser Urlaub nach Holland anstand. Wir erkundigten uns vorab welcher Tierarzt in Holland in unserer Nähe ist, da die Fäden nach 10 Tagen gezogen werden mussten. Zudem kam noch absolutes Wasserverbot und das an der Nordsee, also haben wir uns schon ein paar Ausweichmöglichkeiten überlegt.

Folgendes Verbandsmaterial wird für einen Pfotenverband benötigt:

Der Verband sollte alle 2 Tage gewechselt werden und die Wunde darf nicht übel riechen, ansonsten SOFORT zum Tierarzt. Schweißfüße sind O.K.

 

  • Betaisodona (Jod Salbe) - Salbe nur nach Rücksprache mit dem Tierarzt!
  • Mullkompresse (Baumwollkompresse)
  • Elastische Mullbinde
  • Verbandspolsterwatte (Synthetikwatte)
  • Verbandsklebeband (z.B. Leukoplast)

Hier eine kleine Erklärung wie man einen Pfotenverband anlegt:

Zuerst legt man sich alles zurecht, was benötigt wird. Aus der Verbandswatte werden 4 Streifen für die Pfotenzwischenräume und vor allem für die Daumenkralle benötigt, ganz Wichtig! Sonst würden diese Stellen wundgescheuert. Auf die Kompresse wird ein Strang der Jodsalbe aufgetragen. Wenn möglich sollte eine Hilfsperson dabei sein, um den Hund zu halten und zu beruhigen.

Als erstes die Wattestreifen in die Pfotenzwischenräume stecken, wichtig den Daumen nicht vergessen. Dann die Kompresse mit der Salbe auf die Wunde legen (Achtung kalt, der Hund wird versuchen das Pfötchen wegzuziehen) und den Hund beruhigen (und eventuell die intermediäre Brücke anwenden). Dann mit der elastischen Mullbinde alles fixieren, nicht zu stramm und nicht zu locker. Nach etwas Übung klappt das schon. Zum Schluss mit dem Verbandklebeband die gesamte Mullbinde umkleben. Das Klebeband ist atmungsaktiv und schützt sehr gut. PH Haft oder Petflex sollten wir laut der Tierärztin nicht unbedingt verwenden, da die Hunde darunter schwitzen. Außerdem ist die rutschfeste Oberfläche sehr ungünstig wenn man einen Schuh über den Verband ziehen muss.

Pfotenschuhe im Test

Da Neele ein sehr aktiver Hund ist und sich auch nicht durch so eine Verletzung vom spazieren gehen abringen lässt, mussten wir mehrere Hundeschuhe testen! Zudem kam auch noch der Urlaub mit viel Sand.

Hier unsere persönlichen Testberichte

Hundeschuh Lou

Der Hundeschuh Lou war mein Favorit. Neele konnte mit diesem Schuh sehr gut laufen und er ist selbst beim Buddeln im Sand und beim schnellen Rennen nicht verrutscht. Da wir im Urlaub mit viel Sand in Kontakt gekommen sind und dieser Schuh nicht wasserdicht ist, habe ich einen normalen Gefrierbeutel um den Verband gelegt und dann den Schuh angezogen. Er ist aus Neopren und mit 3 Klettriemen zu fixieren. Das An- bzw. Ausziehen ist einfach und der Schuh trocknet auch recht schnell wieder.

 

Hundeschuh Walker

Der Hundeschuh Walker, ebenfalls aus Neopren, war für kleine Spaziergänge oder im Garten eine gute Lösung. Da er auch, wie der Hundeschuh Lou, nicht wasserdicht ist, habe ich auch hier wieder einen Gefrierbeutel eingelegt. Das An- und Ausziehen geht schnell und einfach. Minuspunkte gibt es bei diesem Schuh nur dafür, dass er bei uns recht schnell kaputt geht und leichter verrutschen kann als der Hundeschuh Lou.

 

Dog Gusti®

Den Dog Gusti® fand ich persönlich etwas kompliziert. Da er keine richtige Form hat, war das Fixieren mit den beiden Klettverschlüssen immer etwas fummelig. Beim Laufen musste ich ihn immer wieder lösen und neu anschnallen. Entweder habe ich mich besonders doof angestellt oder er ist für unsere Zwecke einfach nicht geeignet. Zum kurz Pipi machen auf der Wiese reicht er vollkommen, aber für einen kleinen Spaziergang war er in unserem Fall nicht zu empfehlen. Dieser Schuh hat den Vorteil, dass er wasserdicht ist (Latex) und auch auf der nassen Wiese den Verband trocken hält. Da er nicht atmungsaktiv ist, sollte er nicht so lange getragen werden. Was natürlich bei den anderen beiden Varianten mit der Tüte auch nicht anders ist.

Text und Bilder von Melanie Kaminski 

Golden Retriever Hündin Neele hat sich für die Fotos zur Verfügung gestellt!