Warum Brustgeschirr statt Halsband

Artikel von Vanessa Schäfer

 

Die Hundeschule eDOGcation empfiehlt, wie viele andere erfolgreiche Hundetrainer auch, das Tragen eines Brustgeschirrs.

 

Doch leider gibt es noch immer Hundehalter, die dies für einen unnötigen „Trend“ halten und der Meinung sind, „so könne man einen Hund nicht erziehen“ oder „so würde ihr Hund nie leinenführig“!

 

Dieser Artikel, soll solche Vorurteile beseitigen und die Vorteile des Brustgeschirres aufzeigen!

 

 

 

Gesundheitliche Faktoren


  • Die Halswirbelsäule unserer Hunde ist einer der empfindlichsten Bereiche des Körpers. Verspannungen in diesem Bereich führen zu ähnlichen Symptomen wie beim Menschen: Kopfschmerzen, Schwindelgefühle, Rückenschmerzen, Schmerzen an der Halswirbelsäule etc. Dies belegen klinische Studien von Anders Hallgren, 20011. Durch diese Symptome entstehen nicht selten aggressive Verhaltensweisen.
  • Der Druck des Halsbandes beeinträchtigt nicht nur die Halswirbelsäule, sondern auch den Kehlkopf und die oberen Atemwege. Dies kann zu Kehlkopfentzündungen führen und die Schilddrüse und somit ihre Funktion beschädigen.
  • Das Ziehen am Halsband erhöht den intraokularen Druck (Augeninnendruck) massiv. Dies ist besonders für Hunde von Bedeutung, die aufgrund ihrer Rasse oder Anatomie zum Glaukom (grüner Star) neigen.

 

Durch das Tragen eines gutsitzenden Brustgeschirrs liegt der Druckpunkt nicht mehr auf der Halswirbelsäule, sondern auf dem Brustkorb. Somit wird nicht nur die Brustwirbelsäule, sondern auch die oberen Atemwege, der Kehlkopf und die Schilddrüse entlastet. Auch der Augeninnendruck verändert sich bei Zug am Geschirr nicht!

 

Kommunikative Faktoren
 

  • Der Hals des Hundes ist ein wichtiges soziales Organ, das in der taktilen Kommunikation eine entscheidende Rolle spielt: z.B. durch Kopfauflegen auf den oberen Bereich des Halses, in einer Unterwerfungssituation wird die untere Halspartie gezeigt bzw. mit dem Fang des in dieser Situation Dominanten gehemmt gefasst, die Seitenpartien sind für das Pflegeverhalten von vertrauten Hunden vorbehalten. Berührungen mit der Seitenpartie des Halses werden auch häufig von Rüden beim Umwerben einer Hündin oder als Spielaufforderung gezeigt. Durch häufigen Druck durch das Halsband können diese empfindlichen Bereiche abstumpfen, da dort nun ständige Impulse gegeben werden.
     
  • Durch die Einwirkungen der Leine am Halsband und somit am Hals des Hundes können bei Hundebegegnungen Irritationen in der hundlichen Kommunikation entstehen. Der Zug am Halsband verändert die Körpersprache des Hundes und lässt ihm wenig Freiraum diese selbstständig der Situation anzupassen, so dass dieser vom Gegenüber missverstanden werden kann. 
     

Das Brustgeschirr verschont die für taktile Kommunikation wichtige Halsregion und lässt mehr Raum für ein differenzierteres Ausdrucksverhalten, während Hundebegegnungen an der Leine!

 

Andere Faktoren

 

  • Durch die Schmerzen, die bei Zug an der Leine entstehen können (s. gesundheitliche Faktoren), kann es auf Seiten des Hundes zu Fehlverknüpfungen kommen. Wenn er an der Leine ist und zu einem anderen Hund hinlaufen will, spannt sich die Leine und bereitet ihm Schmerzen. Der Hund verknüpft diesen Schmerz evtl. mit dem Anblick des anderen Hundes. Wiederholt sich diese Situation einige Male, äußert sich dies nicht selten in einer sog. Leinenaggression gegenüber Artgenossen.
     
  • Viele Hunde versuchen dem unangenehmen Druck durch das Halsband zu entkommen, indem sie versuchen nach vorne zu fliehen. Dies führt dazu, dass sie noch mehr an der Leine ziehen und ein „Teufelskreis“ entsteht.
     
  • Die Verkehrssicherheit wird ebenfalls durch das Brustgeschirr begünstigt, da man durch den Rückensteg oder spezielle Kurzführer, die man an dem Geschirr befestigen kann, schnell nach dem Hund greifen kann, ohne ihn zu strangulieren oder ihn zu ängstigen. Auch gibt es ausbruchsichere Geschirre, die verhindern, dass der Hund sich selbstständig aus dem Halsband/Geschirr befreien kann.
     

Nach der Umstellung auf ein Brustgeschirr erledigt sich bei nicht wenigen Hunden das Problem mit der Leinenführigkeit von alleine. Bei Hunden, die an der Leine aggressiv reagieren, bietet das Geschirr dem Besitzer einen besseren Halt und erleichtert das Training, da der Schmerz in der Halswirbelsäule wegfällt. Die Gefahr der Fehlverknüpfung wird verringert!



Tipps für den Geschirrkauf


Auf dem Markt gibt es mittlerweile viele verschiedene Geschirrarten. Besonders verbreitet sind das Y-Geschirr und das Norwegergeschirr. Bei allen Geschirren sollte auf gute Passform geachtet werden und das Material sollte weich und robust sein.

 

Besonders wichtig ist, dass das Brustgeschirr nicht zu dicht hinter den Ellbogen sitzt, da es sonst scheuert und dass der Druckpunkt wirklich auf der Brust und nicht zu hoch sitzt. Das Brustgeschirr sollte also möglichst gut verstellbar sein oder direkt maßgefertigt werden.
Das Y-Geschirr sollte möglichst 2 Schnallen am Bauchgurt besitzen, damit der Hund nicht mit der Pfote durchsteigen muss und der Rückensteg sollte festgenäht sein, um ein Rutschen des Brustgeschirrs zu vermeiden.


Das Norwegergeschirr ist meist nicht im Brustumfang verstellbar, also gut anprobieren oder anfertigen lassen! Dieses Geschirr hat den Vorteil, dass es meist einen „Haltegriff“ integriert hat, was besonders bei langhaarigen Hunden das schnelle Greifen ins Geschirr vereinfacht.


Für Ausbrecherkönige gibt es spezielle Anfertigungen, die einen langen Rückensteg haben und hinter dem Brustkorb schmal zu laufen. Sie werden meist als „Windhundgeschirre“ bezeichnet.


Wenn Sie sich nicht sicher sind für welchen Art Geschirr Sie sich entscheiden sollen,
scheuen Sie sich nicht mehrere anzuprobieren und lassen Sie sich beraten!